Die neuen Top-Level-Domains: Auswirkungen auf das SEO?

Eine Domain ist ein weltweit geltender, einmaliger, eindeutiger und – im Rahmen gewisser Richtlinien – frei wählbarer Name einer Internetseite. Der Begriff „Top-Level-Domain“ bezeichnet die Endung des Domainnamens.

Insgesamt wird zwischen vier Arten von Top-Level-Domains unterschieden:

  • Gesponserte Domains (sTLD),
  • Nichtgesponserte Domains (uTLD),
  • Länderspezifische Top-Level-Domains (ccTLD),
  • Die neuen Top-Level-Domains (gTLD).

Hinzu kommen einige Sonderfälle und Ausnahmen, die jedoch im Folgenden nicht Gegenstand des Artikels sind.

Gesponserte Domains

Gesponserte Domains, kurz sTLDs, unterstehen der Kontrolle von unabhängigen Organisationen, welche die Vergaberichtlinien definieren. So legte beispielsweise das US-Militär fest, dass „.mil“ nur durch das US-amerikanische Militär genutzt werden darf, „.gov“ steht für die Regierungsstellen der USA, „.edu“ für Bildungseinrichtungen. sTLDs können bei der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, kurz ICANN, von weltweit operierenden Organisationen und Unternehmen beantragt werden.

Nichtgesponserte Domains

Nichtgesponserte Top-Level-Domains (uTLDs) unterliegen der direkten Kontrolle der Internet Society und der ICANN. Diese Domains bestehen aus mindestens drei oder mehr Zeichen und stehen für eine bestimmte Gruppe. So steht beispielsweise „.pro“ für zertifizierte Fachkräfte. Die Domain„.info“ steht für Informationsanbieter, ist aber grundsätzlich frei zugänglich – genau wie „.com“ (stand ursprünglich für Unternehmen) oder „.org“ (ursprünglich für Non-Profit-Organisationen gedacht).

Länderspezifische Domains

Allgemeine Kürzel wir .biz, .com, .net, etc. wurden bislang von rund 250 Länderendungen ergänzt. So steht beispielsweise „.de“ für Deutschland oder „.fr“ für Frankreich. Anfang des vergangenen Jahres startete die ICANN dann die Einführung von rund 1.400 neuen Top-Level-Domains, den so genannten „gTLDs“.

Die neuen Top-Level-Domains

Der Grund für die Neueinführung der Top-Level-Domains ist, dass es in der Vergangenheit immer schwieriger wurde, prägnante Adressen unter den bestehenden Endungen zu finden – viele Zeichenketten auf der zweiten Ebene waren bereits vergeben. Um den Adressraum zu erweitern und mehr Domains zuzulassen, wurden die neuen Top-Level-Domains ins Leben gerufen.

Der Vergabeprozess

Organisationen und Unternehmen können sich seit März 2013 bei der ICANN als Betreiber für eine eigene Domain-Endungen bewerben. Diese Möglichkeit nehmen vor allem große Konzerne wie Apple, BMW oder Audi in Anspruch, um die Top-Level-Domain für die eigene IT-Infrastruktur zu nutzen.
Zur Verfügung stehen auch so genannte „Offene Top-Level-Domains“. Diese sind dadurch gekennzeichnet, dass sie grundsätzlich jedermann für die Registrierung zur Verfügung stehen. Hierunter fallen neue Domain-Endungen, wie beispielsweise „.blog“ oder „.hotel“.

Eine dritte Gruppe bilden geografische Top-Level-Domains, die sich auf eine Stadt oder eine Region beziehen. Domain-Endungen wie „.münchen“ oder „.leipzig“ dürfen jedoch nur dann registriert werden, wenn ein örtlicher Bezug des Registrierenden – unabhängig davon ob es sich um ein Unternehmen oder eine Privatperson handelt – nachweisbar vorhanden ist.

Natürlich stellt sich im Zuge der Neuerungen die Frage, ob sich die Domain-Endungen künftig auf das SEO auswirken.

Auswirkungen auf das SEO

Ob sich die neuen Domain-Endungen künftig auf das Suchmaschinen-Ranking auswirken, wird bereits vielfach diskutiert. Die Gerüchte wurden vor allem dadurch angeheizt, dass sich Google für rund 100 Top-Level-Domains beworben hat. Wie jedoch der Konzern bestätigte, haben die neuen Endungen zurzeit keine Auswirkungen auf das Ranking.

Dennoch ist nicht auszuschließen, dass diese nicht langfristig doch als Ranking-Faktor gelten werden, denn die „klassische“ Top-Level-Domain ist bereits einer von 200 Google-Rankingfaktoren. Sobald Websites mit den neuen Domain-Endungen zuverlässige Relevanz-Signale liefern, ist es wahrscheinlich, dass diese ebenfalls in den Algorithmus von Google einfließen.

So könnte beispielsweise – sofern Google die geografische Domain-Endung als Ranking-Faktor berücksichtigt – ein Schneider aus München unter „schneider.münchen“ gefunden werden und sich damit besser positionieren, als mit einer generischen Domain-Endung.
So wäre auch denkbar, dass Google künftig geografische Domains besser rankt, wenn die lokale Suche genutzt wird. Diese Vermutung wird durch die Tatsache bestärkt, dass bei der Bewerbung um eine geografische Domain auch der Unternehmens- bzw. Wohnsitz angegeben werden muss.

Vor- und Nachteile für Website-Betreiber

Positiv ist, dass es nun weitaus einfacher wird, eine passende Domain-Endung zu finden. Die neue Bandbreite an Top-Level-Domains kommt vor allem Start-Ups entgegen, die in der Vergangenheit häufig zwischen unbrauchbaren „Domain-Überbleibseln“ wählen mussten, da keine passenden prägnanten Domains mehr zur Verfügung standen.

Auch für Privatpersonen besteht natürlich die Möglichkeit, eine passende Domain zu erhalten.
Doch wo Licht ist, fällt auch Schatten. So sehen viele Betreiber den Schutz des eigenen Namens in Gefahr, denn mit den neuen Domain-Endungen steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Urheberrechtsverstößen, welche aus dem unberechtigten Registrieren von Domainnamen resultieren könnten. So empfiehlt es sich für bekannte Marken einen Eintrag in das Trademark Clearinghouse durchzuführen.

Das Trademark Clearinghouse wurde im Zuge der Einführung der neuen Top-Level-Domains geschaffen, um Inhaber eingetragener Marken vor Missbrauch zu schützen. Dieses kann nur für solche Marken in Anspruch genommen werden, die im Markenregister vermerkt sind und bestätigt wurden.

Das Trademark Clearinghouse umfasst zwei Mechanismen:

  • Der so genannte „Sunrise Service“ gewährleistet, dass Inhaber einer Marke vor verbindlicher Einführung der neuen Domains diejenigen registrieren können, welche die Marke beinhalten oder sich eindeutig auf diese beziehen.
  • Im Rahmen des Trademark Claims Service erhalten Markeninhaber eine Benachrichtigung, wenn jemand unerlaubterweise versucht, die Domain-Endung einer eingetragenen Marke zu registrieren.

Domain-Endung vorbestellen

Wer sich eine der neuen Domain-Endungen sichern möchte, kann sich noch bis Anfang 2016 hierfür registrieren. Die Vorbestellungen sind kostenlos und zudem auch unverbindlich, da die Zeitpunkte für die Einführung der jeweiligen Domains teilweise noch nicht feststehen. Die unverbindliche Domain-Reservierung sorgt dafür, dass kein anderer die gewünschte Endung reservieren kann, bis die Vorbestellung verbindlich gemacht wird – sofern die gewünschte Domain-Endung zugelassen wird.

Vermutlich bewegen sich die jährlichen Gebühren in einem Rahmen zwischen 20 und 100 Euro, die genauen Entgelte werden jedoch noch festgelegt.

Fazit

Nicht nur Rechtsabteilungen von Unternehmen müssen sich künftig wohl mit den neuen Domain-Endungen auseinandersetzen, sondern auch Marketing-Agenturen und – Abteilungen, um das Potenzial für die Kommunikation zu eruieren und in der Zukunft optimal zu nutzen. Fakt ist auch: Viele User werden sich an die neuen Endungen erst einmal gewöhnen müssen.

Wann und inwieweit sich die neuen Endungen auf das SEO auswirken, bleibt zunächst einmal abzuwarten. Grundsätzlich gilt aber: Der Bereich SEO ist sehr schnelllebig und in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass vor allem derjenige profitiert, der langfristig denkt und am Ball bleibt.

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Mitgründer von Backlinktest.com - DEM Backlinkchecker :-)
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